Nach 17 Jahren Sperrung: Die Burgruine Homburg wurde feierlich wiedereröffnet

Stadtoldendorf/Kreis Holzminden (rus). Das historische Wahrzeichen zwischen Stadtoldendorf, Lenne und Eschershausen, die Burgruine Homburg, ist ab sofort wieder zugänglich. Gut eine Millionen Euro wurden durch die Eigentümerin, die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz mit Sitz in Braunschweig in die Sanierung investiert. Investiert wurde die Summe in neue Wege, Sanierungsarbeiten an Mauerwerk und Turm sowie neuen Schildern. Highlight ist jedoch eine neue Aussichtsplattform, die endlich wieder einen weiten Blick über die Region bieten soll.

Bergfried wurde feierlich wiedereröffnet

Somit war der vergangene Freitag ein durchaus besonderer Tag für Stadtoldendorf und Umgebung: Nach rund 17 Jahren Sperrung ist der Bergfried der Burgruine Homburg wieder für Besucher zugänglich. Das historische Bauwerk wurde im Rahmen einer Feierstunde mit geladenen Gästen offiziell wiedereröffnet. Damit findet ein langjähriges Sanierungsprojekt seinen erfolgreichen Abschluss, das nicht nur erhebliche finanzielle Mittel, sondern auch aufwendige Planungen und außergewöhnliche Baumaßnahmen erforderte. Zugleich erhält die Region einen ihrer bedeutendsten historischen Aussichtspunkte zurück – mit einer Stahlkonstruktion inmitten des historischen Bergfrieds.

Seit 2009 gesperrt: Alte Aussichtsplattform aus Holz war marode

Die Homburg auf dem über 400 Meter hohen Berg zwischen Stadtoldendorf und Eschershausen gilt seit Jahrhunderten als Wahrzeichen der Region. Doch seit 2009 war der Bergfried aufgrund erheblicher Schäden und bestehender Einsturzgefahr gesperrt. Die damalige Aussichtsplattform aus Holz war marode geworden, auch das historische Mauerwerk wies erhebliche Schäden auf, teils mehrere Zentimeter war die Außenmauer des Bergfriedes auseinandergebrochen. Eine Sanierung war somit unumgänglich, sollte der Turm überhaupt wieder für die Öffentlichkeit geöffnet werden.

Mit der nun erfolgten Wiedereröffnung wird ein lang gehegter Wunsch vieler Menschen in der Region Wirklichkeit. Zur Feierstunde waren zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung, Denkmalschutz und beteiligten Institutionen gekommen, darunter Vertreter der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (SBK), die Eigentümerin der Burganlage ist, sowie des Fördervereins Burgruine Homburg, der sich seit 2012 maßgeblich für den Erhalt und den Fortschritt der Arbeiten am Burggelände einsetzte.

Aufwendige Sanierung mit Hubschraubereinsätzen

Der Weg bis zur Wiedereröffnung war allerdings lang und von so mancher Herausforderung flankiert: Bereits vor einigen Jahren hatte die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz gemeinsam mit dem Staatlichen Baumanagement Braunschweig umfangreiche Untersuchungen der historischen Bausubstanz veranlasst. Es erfolgten Vermessungsarbeiten und schließlich entstand ein Sanierungskonzept, das neben der Sicherung des Mauerwerks auch den Einbau einer vollständig neuen Aussichtsplattform vorsah.

Lage der Burg stellte große Herausforderung dar

Bei den schließlich folgenden Bauarbeiten stellte insbesondere die Lage der Burgruine eine große Herausforderung dar. Schwere Bauteile, Gerüstmaterialien und andere Baustoffe konnten nicht auf herkömmlichem Wege zur Baustelle transportiert werden. Stattdessen kamen mehrfach Lastenhubschrauber zum Einsatz, die das Material in zahlreichen Flügen auf den Berg brachten. Bereits im Sommer 2023 fanden so mehr als 70 Transportflüge statt, auch die Überreste der alten Holzkonstruktion wurden auf diesem Wege abtransportiert.

Im Mittelpunkt der Arbeiten stand die Sicherung des Bergfrieds. Beschädigte Mauerbereiche wurden instandgesetzt, Fugen erneuert und ein großer Riss, der seinen Ursprung in einem massiven Blitzeinschlag gehabt haben soll, im historischen Mauerwerk geschlossen. Anstelle der bisherigen Holzkonstruktion entstand eine moderne Aussichtsplattform aus Stahl mit neuer Treppenanlage. Die Arbeiten erfolgten unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen des Denkmalschutzes. Insgesamt investierte die Stiftung gut eine Million Euro in das Projekt, das baulich bereits 2024 abgeschlossen werden konnte.

Starkregen und zerstörte Straße sorgten für Verzögerungen

Doch bis zur offiziellen Wiedereröffnung sollten noch weitere Monate vergehen. Unter anderem musste die Zuwegung erneuert werden, die im Zuge eines Starkregeneregnisses für das Absacken jener Straße sorgte, die zum unter der Burg gelegenen Waldpädagogikzentrum führt. Auch diese Maßnahme erwies sich aufgrund der örtlichen Gegebenheiten und des notwendigen Planungs- und Genehmigungsaufwandes als anspruchsvoll. Für die Wegesanierung war eine erste Kostenschätzung von rund 330.000 Euro im Gespräch, am Ende gelang es unter Beteiligung von Stadt, Landesforsten und der SBK, die Zuwegung wieder herzustellen.

„Es war ein langer Weg“

Bei der Feierstunde wurde deutlich, welche Bedeutung die Homburg für die umliegenden Städte und Gemeinden besitzt. Stadtoldendorfs Bürgermeister Helmut Affelt erinnerte daran, dass die historische Burganlage weit mehr sei, als nur ein altes Gemäuer. Sie verbinde die Menschen der Region und sei ein wichtiger Bestandteil der örtlichen Identität. Man wolle die Burg somit künftig häufiger nutzen, „viele meiner Mitbürgerinnen und Mitbürger waren durch die lange Sperrung noch gar nicht auf der Burg“, stellte er fest.

„Es war ein langer Weg“, fasste Affelt die jahrelangen Bemühungen zusammen. Sein Dank galt insbesondere den beteiligten Institutionen, den Verantwortlichen für die Sanierung und den zahlreichen Menschen, die sich über viele Jahre hinweg für den Erhalt des historischen Bauwerks eingesetzt hatten. Auch die Stadt Eschershausen und der Landkreis Holzminden waren in die langjährigen Bemühungen um die Homburg eingebunden.

Stadt Stadtoldendorf und Förderverein unterstützen

Die Stadt Stadtoldendorf verpflichtete sich inzwischen per Vertrag, beim Erhalt und der laufenden Pflege der Burg zu unterstützen. So sollen Wege und öffentliche Bereiche regelmäßig kontrolliert und gemäht werden, um Interessierten fortan wieder den Besuch von Burggelände und Bergfried zu ermöglichen.

Eine wichtige Rolle spielte aber auch der Förderverein Burgruine Homburg. Dessen Mitglieder engagieren sich seit vielen Jahren dafür, die Ruine vor weiterem Verfall zu bewahren, ihre historische Bedeutung stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und die Burganlage wieder attraktiver für Besucher zu gestalten. Besonders gewürdigt wurde bei der Feierstunde das langjährige Engagement von Helmut Walter, der sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte der Homburg beschäftigt und maßgeblich für ihren Erhalt einsetzt.

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Aktion des Fördervereins im Frühjahr geplant

Der Förderverein möchte sich im Frühjahr mit einer eigenen Veranstaltung bei seinen Mitgliedern bedanken, voraussichtlich im Rahmen einer Sternwanderung zur Burg. „Wir wollen alle Mitglieder und Interessierte einladen, die Burg wiederzuentdecken“, machte Horst Loeper als erster Vorsitzender des Fördervereins deutlich.

Auch von Seiten der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz wurde die besondere Bedeutung des Projektes hervorgehoben. Die erheblichen Investitionen seien nicht allein der Sicherung eines Baudenkmals zugutegekommen, sondern sollten auch dazu beitragen, dass die Burg künftig wieder stärker von der Öffentlichkeit wahrgenommen und besucht werde. Zugleich wurde betont, wie wichtig es sei, die historischen Mauern weiterhin zu pflegen und dauerhaft zu erhalten.

Ein geschichtsträchtiger Ort mit jahrhundertelanger Vergangenheit

Einen Einblick in die historische Bedeutung der Burg gab Dr. Christian Karl Frey, Historiker und Leiter des Europäischen Burgeninstituts. Er beschäftigte sich mit der Entstehung und Funktion mittelalterlicher Burgen und verdeutlichte, dass diese keineswegs ausschließlich als militärische Verteidigungsanlagen dienten. Vielmehr waren sie zugleich Wohnsitze, Verwaltungszentren und Orte wirtschaftlicher sowie politischer Macht.

Die Homburg wurde bereits 1129 erstmals urkundlich erwähnt und war einst Sitz der Edelherren von Homburg – dieses Ereignis jährt sich in wenigen Jahren zum 900. Male. Die weitläufige Anlage mit Haupt- und Vorburg gehörte zu den bedeutenden mittelalterlichen Herrschaftssitzen der Region. Nach dem Aussterben des Homburger Adelsgeschlechts gelangte die Burg schließlich in die Herrschaft der Braunschweiger Herzöge, ehe sie zunehmend ihre Bedeutung verlor, aufgegeben wurde und schließlich verfiel.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts begann man damit, die überwucherten Ruinen wieder freizulegen und archäologisch zu untersuchen. Weitere Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen folgten unter anderem in den 1930er sowie in den 1960er Jahren. Besonders bemerkenswert ist, dass bereits bei der letzten Instandsetzung des Bergfrieds ein Hubschrauber, damals von der Bundeswehr aus Bückeburg, eingesetzt wurde, um Baumaterial auf den Berg zu transportieren. Mehr als sechs Jahrzehnte später wiederholte sich dieses außergewöhnliche Schauspiel im Rahmen der jüngsten Sanierung.

Neue Perspektiven für den Tourismus

Mit der Wiedereröffnung ergeben sich neue Möglichkeiten, die Burgruine stärker in die touristischen Angebote der Region einzubinden. Der Bergfried bietet nun wieder einen weitreichenden Ausblick über den Homburgwald und die umliegende Landschaft. Neben dem historischen Bauwerk selbst soll auch dessen Umfeld künftig stärker in den Mittelpunkt rücken. Dazu gehören unter anderem die weitere Pflege der Burganlage, die Verbesserung der Wegeführung und die Vermittlung ihrer Geschichte. Auch zusätzliche archäologische Untersuchungen und eine weitere Aufwertung des Burgareals sind als Perspektiven im Gespräch.

Allerdings bleibt die Burgruine trotz der umfangreichen Sanierungsmaßnahmen ein historisches Bauwerk inmitten eines Waldgebietes. Auf entsprechende Gefahren weisen neue Informationstafeln hin. Besucher sind angehalten, auf den vorgesehenen Wegen zu bleiben, mögliche Gefahren durch herabfallende Äste und ungesicherte Bereiche zu beachten und die historischen Mauerreste zu schützen. Das Betreten erfolgt weiterhin auf eigene Gefahr.

Mit dem Abschluss des Projektes ist ein wichtiges Stück regionaler Geschichte wieder erlebbar geworden. Nach vielen Jahren des Wartens können Wanderer und geschichtsinteressierte Besucher den Bergfried nun wieder besteigen und die Aussicht genießen, die über Generationen hinweg zu den besonderen Erlebnissen eines Besuches auf der Homburg gehörte. Für Stadtoldendorf, Eschershausen und die umliegenden Gemeinden bedeutet die Wiedereröffnung damit nicht nur den Erhalt eines wertvollen Kulturdenkmals, sondern auch die Rückgewinnung eines bedeutenden Ausflugszieles.

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